DAS LIED ZUM ALTSTADTFEST GÖRLITZ

Interview mit den „Machern“

Jetzt hat das Altstadtfest Görlitz sein eigenes Lied. Wurde bisher zu wenig beim Altstadtfest musiziert und gesungen?


Philipp Bormann: Das Beste, was einem Stadtfest passieren kann, ist, wenn die Bürger selbst bei solch einem Fest einen hohen Unterhaltungswert bewirken. Man trifft sich, tauscht sich aus, erzählt Geschichten, lacht und trinkt miteinander. Wenn dann auch noch gemeinsam musiziert wird, kommt eine andere Emotionalität ins Spiel. Denn sich selber musikalisch zu betätigen, hat einen ganz besonderen Effekt…

Benedikt M. Hummel: …Gemeinsames Singen macht einfach glücklich. Das war auch unser Grundgedanke, als wir die Idee zum Altstadtfest-Lied hatten.
Philipp Bormann: Wenn sich die Menschen wohlfühlen, dann tut das nicht nur ihnen gut, sondern auch dem Fest und damit auch der Stadt.
Benedikt M. Hummel: Ich stamme aus dem Odenwald. In dieser Gegend hat jedes Fest praktisch auch sein eigenes Lied. Gemeinschaftliches Musizieren und die Tradition der Fastnacht werden da ganz großgeschrieben. Mit dem Effekt, dass die Menschen gemütlich beieinander sitzen und gut gelaunt zusammen singen. Denn singen kann jeder, da benötigt man keine Instrumentalkenntnisse.

Um identitätsstiftend zu wirken, bedarf so ein Lied einer ganzen Menge von Lokalkolorit-Elementen. Wie sind sie an die Entwicklung und Umsetzung des Liedes herangegangen?


Philipp Bormann: Mit viel Humor… Der Refrain wurde zuerst geboren…

Benedikt M. Hummel: …Der ist wunderbar doppeldeutig. Zum einen lädt er zur geselligen, gemütliche Runde ein, zum anderen fordert er zum Verweilen, zum Hierbleiben auf. Es soll im Prinzip auch ein Aufruf an alle Fortgegangen sein, wieder nach Görlitz zurückzukommen.

Philipp Bormann: Zu diesem Refrain entwickelten wir eine erste Melodie. Um aber über mehrere Strophen hinweg authentisch zu sein, suchten wir nach einem Görlitzer Urgestein. Der Liedtext sollte sowohl sprachlich als auch stadtgeschichtlich Görlitzer Leben und Flair widerspiegeln.

Benedikt M. Hummel: …Bei unserer Suche sind wir ziemlich schnell fündig geworden. Als wir Christoph Wagenknecht, in dessen Haus die Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH in den letzten Jahren ihr Organisationsbüro zum Altstadtfest eingerichtet hatte, von unserer Idee erzählten, sprudelte es nur so aus ihm heraus…

Christoph Wagenknecht: Die Jungs saßen bei mir und haben voller Leidenschaft die verrücktesten Gedankenbilder gesponnen. Ich wurde neugierig, wollte die Melodie hören und holte mein Keyboard. Die zwei spielten und sangen und mir fiel eine Anekdote nach der anderen ein…

Da sie im Herzen der Altstadt zu Hause sind, stolpern Sie ja praktisch über jede Menge Geschichten…


Christoph Wagenknecht: Richtig. Hier sind jeden Tag die Görlitzer mit ihren liebenswürdigen Eigenheiten unmittelbar zu erleben. Die Altstadt ist eine wahre Fundgrube für die kleinen augenzwinkernden Geschichten und Skurrilitäten, die ich in die Liedstrophen gepackt habe. Sie sind bewusst einfach gestaltet. Ich möchte damit die Leute ermuntern, weitere Strophen hinzuzudichten.

Auch das Arrangement wurde ganz bewusst einfach gehalten…


Friedrich Rothe: Der Stoff war bereits da. Ich habe im Prinzip nur noch das Kleid maßgeschneidert. Es galt, das bereits fertig komponierte Lied so zu arrangieren, dass es zum einen von Kindern und Jugendlichen gespielt werden kann, zum anderen, dass sich die begleitenden Instrumentalstimmen immer auf die Melodie beziehen, damit jedermann ganz leicht dazu mitsingen kann.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, was wünschen Sie sich für das Altstadtfest-Lied?


Philipp Bormann: Es wäre toll, wenn das Lied ein Eigenleben entwickeln würde, die Leute es praktisch in ihren Besitz nehmen. Es soll zum gefühlten Eigentum der Bürger werden und eben dadurch auch eine eigene Dynamik bekommen, wie sie beispielsweise die Volkslieder haben. Es soll hier in Görlitz weiterentwickelt, verbreitet, gelebt und gesungen werden…

Christoph Wagenknecht: …Der Idealfall sähe für mich so aus, dass die Görlitzer an einem Tisch zusammensitzen, das Lied singen und sich immer neue Strophen ausdenken. Vielleicht kommen dann so viele Strophen zusammen, dass das Lied in ein oder zwei Jahren einen ganzen Tag lang gesungen werden kann…

Friedrich Rothe: …oder es wird von den unterschiedlichsten Ensembles und Gruppen in immer neuen Variationen interpretiert. Wichtig ist, dass es von möglichst vielen Menschen gespielt und gesungen wird und nach Außen strahlt und.

Benedikt M. Hummel: Jeder ist herzlich eingeladen, das Altstadtfest-Lied bei der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH anzufordern, sich seinen ganz eigenen Reim darauf zu machen und es einzustudieren. Vielleicht wird das Lied in naher Zukunft als Klingelton auf Handys zu hören sein, in Vorfreude auf das Altstadtfest. Oder es schallt während der Schulchorproben aus den offenstehenden Fenstern, weil es mittlerweile zur Pflichtlektüre geworden ist.

Philipp Bormann: Ein Gedanke im Vorfeld war auch, dass ein Altstadtfest-Liederbuch entstehen könnte. Dafür müsste dann ein Netzwerk daran arbeiten - von der Freiwilligen Feuerwehr über Traditionsvereine, Chöre, Musikschulen, Orchester… Dadurch entwickeln alle ihre ganz persönliche Verbindung zum Fest. Und vielleicht gibt es dann schon bald einen Zeitkorridor auf dem Altstadtfest, in dem die Görlitzer und ihre Gäste gemeinsam aus diesem Liederbuch voller Stolz  i h r  Altstadtfest-Lied singen werden.