Ihre Geschichte zum Plakat

Schreiben Sie Ihre schönste Geschichte!

 

Eine amüsante Geschichte über das diesjährige Plakat erreichte uns schon von Christine Moller. Vielen Dank dafür! 

 

Gehen Sie auch dieses Jahr mit Jakob dem Philosophen auf Entdeckungsreise. Schreiben Sie uns Ihre schönste Geschichte zum diesjährigen Altstadtfest-Plakat. Es lohnt sich! Die drei besten Einsendungen werden prämiert.

Betreff: Plakatgeschichte 2018

E-Mail: kultur.service@goerlitz.de

 

Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH

Brüderstraße 9

02826 Görlitz


Die Geschichte von Christine Moller zum diesjährigen Plakat:

Die Waschtrog - Regatta

 

„Schatz, siehst du das Plakat da drüben an der Litfaßsäule? Mit seinen bunten Farben sticht es einem direkt ins Auge. Komm, wir gehen rüber und schauen was da los ist."

 

Gesagt, getan wir wechseln die Seite und lesen: Altstadtfest in Görlitz am 25.-27.8. 2017.

 

„Na, klar es ist doch schon wieder Ende August, wir haben überhaupt nicht daran gedacht. Dabei haben wir das Fest noch nie verpasst. Die Stadt ist herrlich geschmückt mit Girlanden, Fähnchen und Blumen. Minnesänger, Gaukler und Handwerker geben Einblick in ihr Können. Auf vielen Plätzen ist Party, einfach ein tolles Fest," entgegnet er.

 

„Aber ließ mal was hier steht. Dieses Jahr findet eine Waschtrog - Regatta auf der Neiße statt. Das ist bestimmt was ganz Verrücktes, wollen wir da mal mitmachen?"

 

„Hmm, ich weiß nicht. Was ist denn überhaupt ein Waschtrog? Fragt er.

 

„Ein Waschtrog, das weiß ich auch nicht, aber ich hab so ne Idee. Wir laufen hinauf zur Peter und Pauls Kirche, dort sitzt Jakob Böhme, der gelehrteste Einwohner von Görlitz. Der kann uns bestimmt eine Auskunft geben."

 

Schnur stracks steigen wir die Stufen hinauf zur Kirche und am Stand der Landskronbrauerei sehen wir ihn auf einem großen Bierfass sitzen.

„Hallo Jakob, wie geht’s?" fragen wir ihn. Worauf er mit einem Lächeln antwortet.

 

Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum und frage ihn, ob er denn wohl wisse was ein Waschtrog ist.

 

Er traut seinen Ohren nicht und hakt sofort nach. „Was, ihr wisst nicht was ein Waschtrog ist?" Auch Luther und Melanchthon, die gegenüber auf den Stufen vor dem Eingang der Kirche sitzen, schauen ungläubig in die Runde.

Dann gab er zum Besten. „Schaut doch mal bei Google nach, dort bekommt ihr sicherlich eure Antwort!" Alle drei brechen in fürchterliches Gelächter aus.

„Oh, je jetzt haben wir uns völlig zum Deppen gemacht", flüstere ich meinem Mann zu. Schnell hol ich das Handy aus der Tasche und rufe das Programm auf. Da steht geschrieben: Ein Trog ist ein langer, flacher Behälter für Wasser oder Futter.

 

„Ach so, da hätten wir ja auch selbst drauf kommen können", gab er zum Besten. Vielleicht hätten sie wash-tub oder basin schreiben sollen.

Jetzt, wo Waschmaschinen Hochkonjunktur haben kennt sich niemand mehr mit Waschtrögen aus. Eine Kuhweide oder gar einen Stall kennt ein eingefleischter Stadtmensch ebenfalls nicht.

 

„Nun haben wir das geklärt, dann können wir an der Regatta teilnehmen, wie denkst du darüber?" Frag ich ihn.

 

Und diesmal sehe ich ein Blitzen in seinen Augen und er antwortet mit einem klaren „Ja". Er hat schon einen Plan, wie wir dieses ominöse Ding zusammenbauen.

 

Ich rufe im Tourismusbüro an und gebe meine Anmeldung durch. Die Zeit drängt, wir müssen uns beeilen denn in einer Woche steigt das Event, mit uns mitten drin. Wir wollen uns ja schließlich nicht blamieren.

 

Jede freie Minute verbringen wir ab sofort in unserem Hobbykeller. Wir nehmen große Wasserflaschen aus Plastik und bohren in den Boden ein Loch, wodurch wir mehrere Flaschen miteinander verbinden. Wir benötigen sechs solcher Reihen, wobei vier den Boden bilden. Die mittlere Reihe ist die längste. Danach leimen wir die Reihen quer zusammen. In die Rillen kleben wir lange Holzleisten. Nun ist der Boden fertig. Auf den Leisten befestigen wir vorn und hinten eine Querleiste, worauf wir Bretter mit einem

Rundbogen befestigen. Die übrig gebliebenen Flaschenreihen werden nun jeweils auf die äußere Reihe fixiert. Zuletzt verbinden wir zwei weitere Flaschen schräg mit der mittleren Reihe, damit eine Spitze entsteht – geschafft! Unser flacher Waschtrog, Marke Eigenbau, ist fertig. Hoffentlich hält alles gut zusammen. Selbst die, mühevoll gesammelten, Plastikflaschen erfüllen einen guten Zweck! Das Wochenende ist gerettet. Hurra!

 

Am Veranstaltungstag hieven wir unsere Konstruktion auf einen Handwagen und ziehen stadteinwärts Richtung Neiße. Wir sind guten Mutes und die Passanten schenken unserem Wassertrog einen verblüffenden Blick.

Wir lassen das schwimmende Utensil am Start zu Wasser und los geht die aufregende Paddelei. Nur gut das wir die Paddel von unserem, längst entsorgten, Gummiboot noch gefunden haben.

 

Die ersten Meter kommen wir gut in Fahrt, sind mit unter den ersten. Zuschauer, rechts und links am Ufer, feuern uns an, wir geben unser Bestes. Wir paddeln und paddeln und werden immer schneller. Doch was ist das? Plötzlich sehen wir einen Stein aus dem Wasser ragen, wir können nicht ausweichen. Wir steuern direkt auf ihn zu. Das Floss kippt um – einen kurzen Moment wird es dunkel und aus ist die Fahrt. Plitsch, Platsch nass erklimmen wir, mit unserer schwimmenden Nussschale, das Ufer.

 

Am Himmel fliegt der Narr. Er hat an seinen Waschtrog einen Propeller montiert, dieser listige Gesell hat unser Unglück von oben beobachtet. Schadenfreude ist eben auch eine Tugend…..